Mein Motorrad-Blog: Klartext statt Hochglanz
Wenn man heutzutage ein Motorrad-Magazin aufschlägt oder sich durch die endlosen und perfekten Feeds auf Social Media scrollt, bekommt man unweigerlich das Gefühl, in einer inszenierten Parallelwelt zu leben. In dieser medialen Blase scheint permanent die Sonne vom azurblauen Himmel. Der Asphalt bietet immer den perfekten Grip, der Schotter staubt stets fotogen für die Kamera, und das Motorrad der allerneuesten Modellgeneration wird uns als die unfehlbare Offenbarung verkauft, ohne die ein „echtes“ Abenteuer gar nicht mehr möglich ist.
Diese Rubrik hier ist mein bewusster Gegenentwurf zu dieser glattgebügelten Mentalität. Ich habe keine Lust auf weichgespülte Pressemitteilungen. Hier nehme ich mir ganz bewusst den Raum für das Unperfekte, für ehrliche, ungefilterte Gedanken und durchaus auch für Kritik an Entwicklungen in unserer Szene. Dieser Blog soll kein Schaufenster der Eitelkeiten sein, sondern ein Spiegel der Realität – mit all ihren Ecken, Kanten und dem Dreck unter den Fingernägeln.
Worüber ich hier schreibe
Dies ist meine Kolumne, und sie folgt keinem diktierten Redaktionsplan, sondern dem echten Leben auf zwei Rädern. Die Themen entstehen aus aktuellen Anlässen, aus Frust an der Tankstelle, aus Freude auf dem Pass oder aus purem Unverständnis über Markttrends. Drei Schwerpunkte liegen mir dabei besonders am Herzen.
Erstens werde ich mich kritisch mit der Motorrad-Branche und ihrem Höher-Schneller-Weiter-Wahn auseinandersetzen. Wir müssen uns Fragen gefallen lassen: Brauchen wir wirklich 170 PS in einer Reiseenduro, die am Ende doch nur über die Autobahn zum Hotel getragen wird? Warum wird uns suggeriert, dass wir ohne noch mehr Technik nicht mehr sicher zum Bäcker kommen? Und warum kostet ein Anzug mittlerweile so viel wie ein gebrauchter Kleinwagen? Ich werfe einen Blick hinter die Kulissen und hinterfrage den Sinn von technischer Aufrüstung, die den Einstieg für junge Leute fast unmöglich macht.
Zweitens geht es um die ungeschminkte Reise-Realität. Wer viel reist, weiß: Es ist nicht immer geil. Ich schreibe über die Tage, an denen der Regen schon morgens in den Nacken läuft, die Handschuhe stinken und man sich fragt, warum man sich das eigentlich antut. Ich berichte von Momenten, in denen das Bike im Nirgendwo streikt, von der Einsamkeit im Zelt, wenn das Heimweh kickt, und von der mentalen Erschöpfung „on the road“. Es geht um das Scheitern und die Erkenntnis, dass die prägendsten Momente oft dann passieren, wenn man die Kamera gerade nicht zur Hand hat.
Drittens widme ich mich den Gedanken zur Community. Wir Motorradfahrer stehen mehr denn je unter gesellschaftlicher Beobachtung. Wie gehen wir damit um? Wie verhalten wir uns untereinander? – Ich möchte beleuchten, wie unser Image in der Öffentlichkeit durch schwarze Schafe beschädigt wird und wie wir als Gemeinschaft gegensteuern können, ohne uns den Spaß verbieten zu lassen. Es geht um Rücksichtnahme, den „Code“ der Straße und die Frage, ob wir manchmal unser eigener schlimmster Feind sind.
Diskussion erwünscht
Dieser Bereich ist keine Einbahnstraße. Ein Blog, der nur sendet und nicht empfängt, ist tot. Ich betone ausdrücklich: Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Was du hier liest, ist meine subjektive Wahrnehmung, geprägt durch meine Erfahrungen. Das heißt zwangsläufig, dass man Dinge anders sehen kann – und vielleicht sogar anders sehen muss.
Deshalb lebt diese Rubrik vom Austausch. Wenn du beim Lesen nickst: gut. Wenn du aber den Kopf schüttelst und denkst „Was für ein Unsinn“: noch besser! Schreib es in die Kommentare. Erzähl mir deine Sicht. Vielleicht liege ich falsch, vielleicht hast du einen Aspekt, den ich übersehen habe. Ich wünsche mir eine lebendige Debattenkultur. Lass uns diskutieren – fair im Ton, sachlich in der Argumentation, aber gerne leidenschaftlich in der Sache. Denn am Ende verbindet uns alle die Liebe zum Fahren.