Roadbook | Ungarn – Motorradtouren und Reiseberichte
Entspanntes Cruisen am Plattensee oder Weite in der Puszta: In diesem Roadbook findest du meine Motorradtouren durch Ungarn. Routen, Tipps und Reiseberichte für deinen Urlaub.
Entspanntes Cruisen am Plattensee oder Weite in der Puszta: In diesem Roadbook findest du meine Motorradtouren durch Ungarn. Routen, Tipps und Reiseberichte für deinen Urlaub.
Wenn man am Stammtisch das Wort „Ungarn“ in die Runde wirft, erntet man meist mitleidiges Lächeln oder abfällige Kommentare. „Da fährst du dir doch nur die Reifen eckig“, heißt es dann. Und ja, wer nur die endlosen Geraden der Puszta kennt, hat recht. Dort ist das Motorradfahren so aufregend wie das Beobachten von trocknender Farbe an der Wand. Ungarn wird deshalb oft ungerechtfertigt auf den Status eines reinen Transitlandes degradiert, durch das man schnell durch muss, um in die rumänischen Karpaten zu kommen.
Doch dieses Urteil ist falsch. Wer sich die Mühe macht, die ausgetretenen Pfade der Transit-Autobahnen zu verlassen, findet einen Norden und Westen, die durchaus Fahrspaß bieten. Es ist kein alpines Kurvenfeuerwerk, bei dem man vor lauter Kehren einen Drehwurm bekommt, aber es ist ehrliches, entspanntes Fahren in einer Landschaft, die noch nicht komplett vom Massentourismus totgetrampelt wurde. Ungarn ist der Beweis, dass man nicht immer 3.000 Höhenmeter braucht, um glücklich zu sein.
Im Norden, nahe der slowakischen Grenze, warten das Mátra- und Bükk-Gebirge. Hier gibt es sie tatsächlich: echte Berge, dichte Wälder und Serpentinen rund um den Kékes, den höchsten Berg des Landes. Die Straßen sind oft leerer als im Schwarzwald, auch wenn der Asphalt nicht immer Schweizer Niveau hat. Hier kannst du den Reifenflanken wieder etwas Arbeit geben. Ganz anders der Balaton (Plattensee). Eine Umrundung gilt als Kult, ähnlich wie die Route 66, und ist landschaftlich durchaus reizvoll. Aber, in der Saison ist das kein Fahren, das ist Stop-and-Go. Du steckst zwischen Wohnmobilen und Touristen fest, der Motor kocht, und der Fahrspaß geht gegen Null. Wer den See sehen will, sollte sehr früh aufstehen oder die Hauptsaison meiden. Ein echter Geheimtipp für Genießer ist das Donauknie nördlich von Budapest.
Ungarn ist im Hochsommer ein Backofen. Bei 35 Grad im Schatten nützt dir die teuerste Membran nichts, wenn du im eigenen Saft schmorst und die Konzentration schwindet. Mesh-Jacken und luftige Sommerkleidung sind hier im Juli und August kein modischer Schnickschnack, sondern ein Segen für den Kreislauf. Die beste Zeit ist daher das Frühjahr oder der Spätsommer, wenn die Puszta nicht flimmert, sondern blüht.
Ungarn ist kein rechtsfreier Raum, im Gegenteil. Die Regeln sind strikt und die Diskussionen mit der Polizei sind kurz und teuer. Allen voran: 0,0 Promille. Es gibt absolut null Toleranz bei Alkohol. Das Radler zum Mittagessen ist tabu – eine Regel, die hart klingt, aber Leben rettet. Ein technokratisches Ärgernis ist die Maut (E-Matrica). Wir sind es gewohnt, an Schranken zu zahlen oder Klebebildchen zu kaufen. In Ungarn läuft das rein elektronisch über das Kennzeichen. Die Falle: Viele Schnellstraßen sind mautpflichtig, ohne dass es sofort ersichtlich ist. Wer ohne Registrierung auffährt, bekommt teure Post. Kauft das Ticket unbedingt vorher an der Tankstelle und hebt den Beleg auf wie einen Schatz! Auch die Geschwindigkeit wird, besonders außerorts, streng kontrolliert – oft von hinten aus zivilen Fahrzeugen.
Pensionen sind weit verbreitet, die Gastfreundschaft ist herzlich und die Preise sind (noch) moderat. Die ungarische Küche ist deftig – genau das Richtige nach einem langen Tag. Aber Vorsicht in der Metropole: Budapest ist wunderschön, aber für Motorräder ein heißes Pflaster. Parke niemals an der Straße. Dein Bike gehört zwingend in eine überwachte Garage oder einen verschlossenen Innenhof, sonst trittst du die Heimreise eventuell mit dem Zug an.
Ist Ungarn für dich nur Durchgangsstation oder ein echtes Ziel? Hast du den Balaton schon mal ohne Stau erlebt? Schreib es in die Kommentare!