Motorrad-Events und Szene – Mehr als nur Benzin
Motorradfahren ist im Kern oft eine zutiefst egoistische, fast schon meditative Angelegenheit. Man steckt allein im Helm, die Welt zieht vorbei, und die einzigen Gespräche führt man mit sich selbst oder fluchend mit dem Navi. Doch so sehr wir die Einsamkeit auch zelebrieren, wir sind nun mal Herdentiere. Irgendwann zieht es jeden von uns dorthin, wo es nach verbranntem Gummi riecht und man nicht schief angeschaut wird, wenn man Öl unter den Fingernägeln hat. In dieser Rubrik berichte ich von genau diesen Orten: von Messen, Festivals und den kleinen, feinen Treffen der Szene. Mich interessiert die Atmosphäre. Wie ist die Stimmung vor Ort? Ist es eine reine Verkaufsveranstaltung, bei der man gemolken werden soll, oder spürt man noch den echten Spirit? Lohnt sich die oft lange Anreise durch den Regen, und vor allem: Wo gibt es den besten Kaffee, der nicht nach Spülwasser schmeckt?
Messen vs. Treffen: Was lohnt sich?
Die Event-Landschaft ist mittlerweile ein Dschungel geworden, und man muss genau wissen, was man sucht, um nicht enttäuscht zu werden. Da wären zunächst die klassischen Messen. Unter künstlichem Licht stehen polierte Maschinen, die nie einen Tropfen Regen sehen werden. Natürlich sieht man hier die Neuheiten für die nächste Saison zuerst – aber zu welchem Preis? Es ist laut, es ist voll, und die Luft ist stickig vor Marketing-Phrasen. Bin ich hier, geht mein Blick hinter das „Bla-Bla“. Brauchen wir wirklich noch mehr Elektronik, noch mehr Leistung und noch teurere Anbauteile?
Ganz anders dagegen die Reise-Festivals. Hier trifft man keine Verkäufer in Anzügen, sondern echte Typen in abgewetzten Kombis. Hier stehen Dia-Vorträge, Workshops zum Reifenwechseln und das abendliche Lagerfeuer im Vordergrund. Der Kontrast zur sterilen Messehalle könnte größer nicht sein. Wenn jemand erzählt, wie er mit einer uralten Einzylinder-Maschine die Mongolei durchquert hat, ist das mehr wert als jedes Werbevideo. Diese Events sind der ideale Ort, um sich Inspiration für den nächsten Urlaub zu holen und zu erkennen, dass man für das große Abenteuer nur Mut braucht.
Und dann sind da noch die Szene-Events. Hier wird Motorradkultur in ihrer reinsten Form gelebt. Egal ob wilde Umbauten, bei denen der TÜV Schnappatmung bekommt, oder Sprintrennen – hier zählt der „Coolness-Faktor“, aber oft auf eine herrlich unperfekte Art. Für mich sind das oft die spannenderen Termine im Kalender, weil es hier um Leidenschaft, Individualität und das „Selbermachen“ geht.
Tipps für den Event-Besuch
Egal für welche Art von Event du dich entscheidest, eine Sache unterschätzen die meisten: Es ist Anstrengung pur. Wer den ganzen Tag auf den Beinen ist, braucht eine Strategie. Mein wichtigster Rat, auch wenn es uncool klingt: Lass die schweren Motorradstiefel zu Hause oder im Topcase. Es gibt nichts Schlimmeres, als in steifen Enduro-Tretern zehn Kilometer durch Messehallen zu schlurfen, nur um „echt“ auszusehen. Deine Füße werden es dir danken.
Ebenfalls Pflicht: Pack genug Bargeld ein. Die Preise an den Food-Trucks haben mittlerweile ein hohes Niveau erreicht und oft streikt genau dann das Kartenterminal, wenn der Magen am lautesten knurrt. Bereite dich vor, damit der Tag ein Erlebnis bleibt und kein Kampf ums Überleben wird.