Saison 2022: Rückblick und Highlights
Wenn man den Editorials und den Werbekampagnen der Hersteller Glauben schenkt, dann war angeblich jedes Jahr das „beste Jahr aller Zeiten“. Doch wir alle wissen: Das ist Bullshit. Echtes Glück lässt sich nicht im Katalog bestellen, und Freiheit hat kein Preisschild. Das Jahr 2022 war anders. Es war für viele von uns, mich eingeschlossen, das Jahr des tiefen „Aufatmens“.
Nach den zähen, frustrierenden Jahren der Pandemie, der geschlossenen Grenzen und der ständigen Unsicherheit kehrte endlich so etwas wie Normalität zurück auf den Asphalt. Der Nachholbedarf an echten Kilometern, an Wind im Gesicht und an Benzingesprächen ohne Maske und Abstandshalter war riesig. Es war das Jahr, in dem wir nicht mehr nur von Freiheit geträumt haben, während das Motorrad in der Garage verstaubte, sondern sie uns wieder aktiv zurückgeholt haben. Auch mein Tacho lief heiß – nicht, weil ich irgendwelche sinnlosen Rekorde brechen wollte, sondern weil jede Fahrt eine kleine Flucht aus dem Alltag war.
Wo ich unterwegs war
Eine Adventure-Werbung redet dir immer ein, dass ein „echtes“ Abenteuer erst dann zählt, wenn man mindestens drei Kontinente durchquert hat. Doch meine Saison 2022 hat bewiesen, dass das Unsinn ist. Mich hat es in diesem Jahr ganz bodenständig ins südliche Bayern verschlagen. Und weißt du was? Es war grandios. Ich brauche nicht immer die Reise in die Ferne, manchmal reicht das Voralpenland. Ein absolutes Highlight für die Seele war mein „Goldener Oktober“, bei dem ich solo zum Sylvensteinspeichersee gefahren bin. Es gibt Tage, da muss man allein sein. Nur der Motor, die Straße und der eigene Kopf. Wenn das türkise Wasser in der Herbstsonne glitzert, vergisst man den ganzen Wahnsinn der Welt.
Doch so schön die Einsamkeit ist, das eigentliche Herzstück der Saison waren die Touren mit Begleitung. Ich hatte den Junior im Schlepptau. Unser Vater-Sohn-Trip nach Waging am See hat mir gezeigt, dass echtes Urlaubsfeeling nichts mit der Entfernung zum Wohnort zu tun hat, sondern mit der Qualität der Zeit, die man miteinander verbringt.
Noch prägender war unsere Tour zum Schliersee unter dem Motto „Zwei Generationen, eine Leidenschaft“. Wenn man mit dem Nachwuchs fährt, verändert sich die Perspektive radikal. Plötzlich bist du nicht mehr der einsame Wolf. Du trägst Verantwortung. In einer Zeit, in der unser Hobby durch Lärmdiskussionen, Streckensperrungen und ein oft negatives Image in der Öffentlichkeit massiv unter Beschuss steht, ist es wichtiger denn je, dem Nachwuchs zu zeigen, worauf es wirklich ankommt. Es geht nicht um den offenen Auspuff oder den Knieschleifer im öffentlichen Straßenverkehr. Es geht um Rücksicht, Beherrschung der Maschine und darum, ein Vorbild zu sein, damit wir auch in zehn Jahren noch fahren dürfen.
Fazit zum Jahr
Wenn ich ehrlich in den Rückspiegel schaue, sehe ich ein Jahr, das mich versöhnt hat. Technisch gab es keine größeren Ausfälle – zum Glück! In Zeiten, in denen Motorräder rollende Computer sind und man ohne Diagnose-Laptop kaum noch eine Glühbirne wechseln kann, ist das keine Selbstverständlichkeit mehr. Das Motorrad hat gehalten, was es verspricht.
Fahrerisch war es ein Jahr voller Genussmomente, fernab vom Leistungs-Wahn. Ich habe gelernt, dass die kleinen Fluchten im Alltag oft wertvoller sind als der durchgeplante Jahresurlaub, der dann doch im Regen versinkt. In diesem Archiv findest du nun alle Berichte aus 2022 chronologisch sortiert. Es sind keine geschönten Heldengeschichten, sondern ehrliche Protokolle einer Saison, die mir gezeigt hat, warum ich dieses teure, gefährliche und wunderbare Hobby eigentlich betreibe.
Wie war dein Jahr 2022? Hast du die neu gewonnene Freiheit genutzt oder stand das Bike mehr als es fuhr? Schreib mir deine Highlights oder deine Enttäuschungen in die Kommentare – ich bin gespannt auf deine Geschichte!