Slowenien – Reisestart im Dauerregen


Lange geplant, doch die Realität war nass. Der Start unserer Motorradtour nach Slowenien wurde zur Geduldsprobe. Statt Kurvenspaß gab es 4,5 Stunden Dauerregen bis Zell am See. Wenn „wasserdicht“ versagt und der Großglockner gesperrt ist, brauchst du einen Plan B. Ein ehrlicher Reisebericht über den Kampf gegen die Elemente.
Wie der Start im Dauerregen unsere Vorfreude zerstörte
Das Kribbeln am Morgen der Abreise. Die Koffer sind gepackt, das Navi ist programmiert, und mental fährst du schon die ersten Kehren. Genau so ging es uns auch. Slowenien war das Ziel. Doch ein Blick aus dem Fenster reichte, um die Euphorie im Keim zu ersticken. Der Himmel war nicht einfach nur grau – er war eine einzige, tiefhängende Wasserwand.
Wir starteten nicht mit dem sonoren Brummen der Motoren in der Morgensonne, sondern mit einem Kaltstart, der sich gewaschen hatte. Die Wetterprognose, die wir die letzten Tage angstvoll beobachtet und verdrängt hatten, behielt recht. Heute war es nicht einfach nur nass. Es war der Tag, an dem das Wort „Duschen“ zum Running Gag wurde, weil wir uns eher fühlten, als würden wir in voller Montur baden gehen.
Unsere ungeplante Flucht nach Zell am See
Eigentlich sah das Roadbook für den ersten Tag feine Landstraßen und versteckte Winkel vor. Doch bei Sichtweiten die teilweise unter 50 Metern lagen und der Gefahr von Aquaplaning in jeder Senke trafen wir als Motorradfahrer eine rationale Entscheidungen. Wir haben die kurvenreiche Planung komplett verworfen. Der neue Fokus hieß nur noch Ankommen.
Das Ziel war nun Zell am See. Was normalerweise eine entspannte Halbtagestour ist, wurde zur Expedition. Die 250 Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Auf der gesamten Strecke peitschte uns die Gischt der Autos entgegen und die Reifen kämpften mit Bitumen-Streifen, die bei dieser Nässe glatt wie Schmierseife werden.
Man verliert das Gefühl für Zeit, hört nur das Prasseln auf dem Helm, spürt, wie die Kälte langsam durch die Schichten kriecht, und hoffst, dass die Heizgriffe nicht den Geist aufgeben. Wir brauchten für diese 250 Kilometer quälende 4,5 Stunden. Mehrmals fragten wir uns, ob wir nicht besser das Auto genommen hätten.
Warum selbst wasserdichte Ausrüstung irgendwann aufgibt
Kommen wir zum frustrierendsten Teil des Tages, nämlich dem Material. Wir alle geben viel Geld für Membranen, Laminate und High-Tech-Fasern aus. „100 % Wasserdicht“ steht auf den Etiketten. Aber nach vier Stunden Dauerbeschuss auf der Autobahn kapituliert fast jedes Material, das nicht aus LKW-Plane besteht. Die Schwachstellen zeigten sich heute gnadenlos:
- Sobald das Wasser vom Helm in den Nacken läuft, ist das „System Körperwärme“ zerstört.
- Durch die Sitzposition sammelt sich das Wasser im Schritt. Irgendwann drückt es durch den Reißverschluss oder die Naht.
- Trotz Membran saugt sich das Obermaterial voll. Das Ergebnis sind klamme, schwere Finger und ein massiver Auskühlschutz-Verlust.
Die Ankunft im Hotel in Zell am See war eine Erlösung, aber der Blick auf den Kleiderhaufen ernüchternd. Alles war klamm, vieles komplett durchnässt. Die Hoffnung, dass die Sachen bis zum nächsten Morgen trocken werden, ist gering. Das erzeugt Frust. Das Tourenfahrer-Leben ist in diesen Momenten nicht Instagram-glamourös, sondern riecht manchmal nach nassem Hund und Heizungskeller.
Nichts geht mehr am Großglockner
Der Plan für morgen war eigentlich das erste große Highlight der Tour, nämlich die Großglockner Hochalpenstraße. Für viele von uns das Tor in den Süden. Doch ein Check der Info-Tafel und der offiziellen Webseite brachte die nächste Hiobsbotschaft. Die Straße ist für Motorräder gesperrt. Auf fast 2.500 Metern Höhe (Edelweißspitze / Hochtor) herrschen scheinbar Bedingungen, die mit Motorradfahren wenig zu tun haben. Schnee, Regen, Windböen und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Dass die Passstraße gesperrt ist, ist vernünftig, aber es dämpft die Stimmung erneut massiv.
Wir sitzen nun in Zell am See, draußen trommelt der Regen gegen die Scheiben und wir planen sicherheitshalber eine Alternativroute. Die Wetterprognose kündigt weitere Regenfronten an. Das Risiko, dass der Pass auch morgen dicht bleibt, ist sehr hoch. Das bedeutet für uns, dass wir eine andere Route suchen müssen. Statt über den höchsten Berg Österreichs werden wir wohl oder übel auf den Tauerntunnel ausweichen müssen, um Richtung Slowenien voranzukommen.
Der erste Tag war eine echte Probe für die Moral. Aber er hat uns auch gezeigt, dass die Natur das Tempo diktiert. Wir haben das Ziel Slowenien fest im Blick, nur der Weg dorthin wird steiniger – und nasser – als gedacht.

Du bist bereit für Dein nächstes Abenteuer. Hier findest Du eine Übersicht der gefahrenen Tour. Da ich die Tour für Dich aus meiner Navigation zu Goole Maps exportiere, kann es zu leichten Abweichungen kommen. Aber das eröffnet Dir neue Wege! Lade Dir die Routendatei direkt bei MyMaps als KML-Datei herunter und erlebe die atemberaubenden Straßen und Landschaften selbst! Die Nutzung der zur Verfügung gestellten Route geschieht allerdings auf eigenes Risiko.
| Start | Mainburg, DEU |
| Ziel | Zell am See, AUT |
| Strecke | 250 km |
| Fahrzeit | 4,5 h |
Owned Miles










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