Roadbook | Frankreich – Motorradtouren und Reiseberichte

Vive la Kurve! Von den Vogesen über die Route des Grandes Alpes bis ans Meer. Meine Reiseberichte, Routen und Tipps für Motorradtouren in Frankreich.

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Motorradtouren in Frankreich – Ein Ratgeber für deine Planung

Frankreich wird oft als das gelobte Land des Savoir-vivre auf zwei Rädern präsentiert, in dem man man nur den Zündschlüssel drehen muss, um schwerelos und ohne Sorgen durch blühende Landschaften zu cruisen. Das ist natürlich völliger Quatsch. Ein echtes Abenteuer kann man nicht wie im Katalog kaufen und die Realität in Frankreich erfordert mehr. Doch eines stimmt: Die Zweiradkultur ist hier deutlich tiefer verwurzelt als bei uns.

Autofahrer machen fast immer respektvoll Platz, man bedankt sich mit einem lässigen Gruß. Ein ungeschriebener Ehrenkodex, der zeigt, dass wir als Motorradfahrer hier noch willkommen sind. Eine Tour durch das „Hexagon“ verlangt jedoch eine knallharte Planung, denn das Land hält für naive Träumer einige heftige meteorologische und bürokratische Ohrfeigen bereit.

Die schönsten Motorradregionen Frankreichs

Klar, die berühmte Route des Grandes Alpes vom Genfer See ans Mittelmeer ist landschaftlich episch. Aber wer ernsthaft glaubt, er hat legendäre Pässe wie den Galibier für sich allein, täuscht sich gewaltig. In der Hochsaison teilst du dir den teuren Asphalt mit hunderten genervten Wohnmobilisten und aggressiven Rennradfahrern. Wer die wahre, ungeschminkte Seele Frankreichs sucht und fahrerisch wirklich etwas draufhat, flüchtet ins Zentralmassiv oder die wilden Cevennen.

Die rauen, extrem engen Schluchten des Tarn verzeihen absolut keine Fahrfehler, belohnen dich aber mit einer Einsamkeit, die man im elitären Alpen-Zirkus kaum noch findet. Doch eine eindringliche Bitte an alle Krawallmacher: Die winzigen, verschlafenen Dörfer an der Route Napoléon ertragen keine brüllenden Auspuffe mehr. Wenn wir dieses Kurven-Paradies nicht durch flächendeckende Lärm-Sperrungen verlieren wollen, müssen wir Verantwortung für unser Image übernehmen.

Reisezeit und Wetter

Die Zubehör-Industrie will uns gerne einreden, dass uns ihre extrem teuren High-Tech-Membranen vor absolut jedem Klima schützen. Die bittere Wahrheit spürst du jedoch erst, wenn du Ende Juni auf dem Col de l’Iseran im eiskalten Schneeregen stehst und dir der Frost erbarmungslos in die Knochen kriecht. Das Wetter in den französischen Alpen ist ein brutaler Lehrmeister und schlägt oft binnen Minuten um. Wer hier nicht im klassischen Zwiebelprinzip packt und eine dichte Regenkombi griffbereit hat, dessen Urlaub endet im nassen Frust. Die Hochsaison im Juli und August ist im Süden hingegen oft eine reine Hitzeschlacht jenseits der 35 Grad – das ist kein Genuss, das ist purer Stress im Dauerstau. Echte Kenner weichen daher auf den Mai, Juni oder den goldenen September aus, wenn die Straßen leerer und die Hotelpreise wieder menschlicher sind.

Verkehrsregeln und Besonderheiten

Wer blauäugig denkt, in Frankreich herrsche grenzenlose Freiheit, den holt die Gendarmerie rasch auf den harten Boden der Tatsachen zurück. Das Land liebt Regeln. Es gilt eine strikte Tragepflicht für CE-zertifizierte Motorradhandschuhe. Wer ohne erwischt wird, zahlt sofort. Helme müssen zwingend reflektierende Aufkleber haben, und bei einer Panne – ja, auch überteuerte Hightech-Bikes bleiben mal mit Elektronikmucken kläglich liegen – ist die Warnweste absolute Pflicht.

Bei den Tempolimits herrscht absolut null Toleranz. Wer auf den Landstraßen die oft geltenden 80 km/h ignoriert, füttert direkt die unzähligen, gut getarnten Radarkameras. Immerhin: Das vorsichtige Vorbeischlängeln im Stau („Inter-Files“) ist unter Auflagen legal, und an den teuren Mautstationen (Péage) zahlen wir weniger als Autos. Wer allerdings in Großstädte will, braucht zwingend die Crit’Air-Umweltplakette.

Bist du schon mal an den Tücken der französischen Mautstationen verzweifelt oder auf einem Pass grandios abgesoffen? Schreib mir deine schonungslosesten Erfahrungen in die Kommentare!