Schneeabenteuer – Ritt über die Großglockner Hochalpenstraße

Die Großglockner Hochalpenstraße öffnete für genau eine Stunde. Wir nahmen die Herausforderung an. Bei Schneefall, minimaler Sicht und eisigen Temperaturen wurde die Königsetappe zum Härtetest für Mensch und Maschine. Erfahre hier, wie wir den Pass bezwangen und warum die Malta Hochalmstraße danach der perfekte Kontrast war.

Das riskante Spiel mit dem Wetterfenster

Hast du schon einmal auf das Wetterradar gestarrt wie auf einen Börsenticker kurz vor dem Crash? Genau so begann unser zweiter Tag der Slowenien-Tour. Gestern noch Regenschauer, heute Morgen die ernüchternde Realität: Die Großglockner Hochalpenstraße war gesperrt. Doch dann passierte es. Die digitale Infotafel sprang um. Status: „Geöffnet“.

Der Haken an der Sache? Laut unserer Wetter-App öffnete sich ein winziges, fast schon zynisches Zeitfenster von maximal einer Stunde, bevor die nächste Front hereinbrechen würde. Alarmstufe Rot im Hotelzimmer. Keine Diskussionen, kein zweiter Kaffee. Binnen 20 Minuten waren die Koffer zu, die Reißverschlüsse der Kombis oben und die Motoren liefen warm. Das Ziel war klar definiert: Durchkommen, egal wie. Wir wollten nach Süden, und der Berg stand uns im Weg.

Als wir an der Mautstation Ferleiten ankamen, war die Skepsis des Personals greifbar. Der Blick des Kassierers wanderte von unseren Kennzeichen zu den dunklen Wolken, die bedrohlich tief über dem Fuscher Törl hingen. Er ließ uns passieren, aber sein Zögern sprach Bände. Dieses Gefühl, gerade noch so durchzuschlüpfen, erzeugte eine elektrisierende Mischung aus fast kindlicher Freude und massiver Anspannung.

Kampfzone Edelweißspitze: Wenn der Sommer Pause macht

Die Auffahrt entwickelte sich schnell zu einem psychischen und physischen Härtetest. Vergiss die Prospekt-Fotos von strahlend blauem Himmel und Murmeltieren. Das hier war Arbeit. Je höher wir uns schraubten, desto feindseliger wurde die Umgebung.

Die Temperaturanzeige im Cockpit fiel wie ein Stein und pendelte sich bei knapp unter 1 °C ein. Das Visier beschlug durch den Nebel und so mussten wir das Visier offen lassen, wodurch aber sofort eisige Nadelstiche das Gesicht trafen. Die Sichtweite? Teilweise keine 20 Meter. Die Felswände und Begrenzungspfeiler verschwammen in einem grauen Brei aus Nebel und einsetzendem Schneefall.

Der Spaßfaktor hält sich bei solchen Bedingungen in Grenzen, das gebe ich offen zu. Es geht nicht mehr um die Ideallinie oder Schräglage. Es geht um Traktion und vorausschauendes Fahren. Der Asphalt war nass, kalt und oben auf der Passhöhe schmierig. Jede Kurve verlangte Konzentration. Ein nervöser Gasgriff oder ein zu harter Bremspunkt hätten hier fatale Folgen gehabt. Wir brauchten für die direkte Passage zwischen der nördlichen und südlichen Mautstation über eine Stunde – eine Ewigkeit für diese Distanz, aber jedes km/h mehr wäre gefühlt Wahnsinn gewesen.

Als wir die Südstation bei Heiligenblut erreichten, fiel die Anspannung schlagartig ab. Wir kamen kurz mit den dortigen Mitarbeitern ins Gespräch. Ihre Erleichterung war spürbar – wir waren die Letzten, die durchkamen. Hinter uns senkte sich der Schlagbaum wieder. Strecke gesperrt. Dieser knappe Triumph über die Wetterkapriolen war der erste echte emotionale Höhepunkt der Reise.

Kontrastprogramm: Die Malta Hochalmstraße

Nachdem wir den Großglockner „überlebt“ hatten, besserten sich die Bedingungen im Tal merklich. Die Temperaturen kletterten in den zweistelligen Bereich und das Blut kehrte in die Fingerspitzen zurück. Aber wir hatten noch nicht genug Höhenmeter für heute.

Das nächste Ziel: Die Malta Hochalmstraße in Kärnten. Wer diese Straße noch nicht kennt, hat etwas verpasst. Sie ist technisch völlig anders als der Glockner. Auf einer Länge von etwa 14,4 Kilometern schraubt sie sich auf 1.933 Meter zur Kölnbreinsperre hoch.

Das Besondere sind hier die Felsentunnel. Sechs Kehrtunnel sind direkt in den Fels gehauen. Das Fahren dort ist ein Erlebnis für sich: Es ist eng, dunkel und oft nass im Tunnelinneren, bevor man wieder ins grelle Tageslicht bricht. Die Akustik des Motors, der von den engen Felswänden widerhallt, sorgt für Gänsehaut. Oben angekommen, thront die Staumauer – Österreichs höchste Talsperre – wie eine Festung. Die Straße selbst bietet griffigen Asphalt und, im Gegensatz zum Vormittag, konnten wir hier die Kurven endlich auch dynamisch genießen.

Das Hotelzimmer als Trockenraum

Nach der Ankunft im Hotel folgte das Ritual, das jeder Motorradreisende kennt: Das Chaos. Innerhalb von Minuten verwandelt sich das gemütliche Zimmer in einen Trockenraum. Handschuhe über die Lampenschirme, die Regenkombi über den Stuhl, Stiefelzeitungspapier stopfen. Es riecht nach feuchtem Textil und Kettenfett. Aber es ist ein gutes Gefühl. Tag 2 ist geschafft. Wir sind der italienischen und slowenischen Grenze ein gewaltiges Stück nähergekommen. Morgen verlassen wir Österreich. Slowenien wartet mit seinen smaragdgrünen Flüssen. Hoffentlich bei mehr als 1 Grad Plus.

Wie sieht es bei dir aus? Hättest du die „Mission Großglockner“ unter diesen Bedingungen angenommen oder hättest du auf das Wetterfenster verzichtet?


Du bist bereit für Dein nächstes Abenteuer. Hier findest Du eine Übersicht der gefahrenen Tour. Da ich die Tour für Dich aus meiner Navigation zu Goole Maps exportiere, kann es zu leichten Abweichungen kommen. Aber das eröffnet Dir neue Wege! Lade Dir die Routendatei direkt bei MyMaps als KML-Datei herunter und erlebe die atemberaubenden Straßen und Landschaften selbst! Die Nutzung der zur Verfügung gestellten Route geschieht allerdings auf eigenes Risiko.

StartZell am See, AUT
ZielVillach, AUT
Strecke316 km
Fahrzeit6,5 h


Owned Miles

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