Heimreise – Über 480 km Kurvenliebe


487 Kilometer, 36 Kehren allein am Glockner und ein Finale in Bayern. Diese Tour verlangt Sitzfleisch, belohnt aber mit spektakulärsten Panoramen der Alpen. Ich nehme dich mit auf meine Reise von Matrei über die berühmte Hochalpenstraße bis zum Tatzelwurm und verrate, warum die Kalser Glocknerstraße der perfekte Warm-up ist.
Der perfekte Start in Osttirol und das Warm-up im Kalsertal
Bevor man sich an die großen Brocken wagt, braucht es Rhythmus. Wer kalt in eine Passstraße einsteigt, fährt eckig. Deshalb führte mich mein erster Weg von Matrei aus bewusst zur Kalser Glocknerstraße. Viele lassen diese Stichstraße links liegen, weil sie eine Sackgasse ist. Ein Fehler.
Die Auffahrt ist der ideale Ort, um Vertrauen in die Reifen aufzubauen. Der Asphalt ist griffig, die Kurvenradien sind harmonisch und nicht so eng wie bei den späteren Kehren. Hier, im Angesicht der Südseite des Glockners, konnte ich das Motorrad und meinen noch nicht ganz so wachen Geist synchronisieren. Die Morgenluft war frisch, aber das macht den Kopf klar.
Nach diesem Abstecher ging es weiter über den Iselsbergpass. Er verbindet Osttirol mit Kärnten und ist ein wunderbar flüssiger Übergang. Keine tückischen Spitzkehren, sondern langgezogene Schwünge, in denen ich das Motorrad schön laufen lassen konnte. Das Navi zeigte im weiteren Streckenverlauf nach Norden und langsam stieg die Vorfreude auf das, was nun folgen sollte.
Über den Wolken auf der Großglockner Hochalpenstraße
In Heiligenblut wird es ernst. Wer hier die Mautstation passiert, kauft sich Eintritt in eine andere Welt. Die Großglockner Hochalpenstraße ist nicht umsonst die berühmteste Panoramastraße Europas. 48 Kilometer, 36 Kehren. Zahlen, die man liest, aber erst versteht, wenn man sie fährt.
Der Aufstieg verlangt Konzentration. Busse, Wohnmobile, Radfahrer – hier ist immer Betrieb. Doch wenn man die Lücken findet, ist es Magie pur. Mein persönliches Highlight war der Abstecher zur Edelweißspitze.
Auf fast 2600 Metern Höhe liegt der höchste befahrbare Punkt der Straße. Die letzten Meter bestehen aus Kopfsteinpflaster. Bei Nässe ist das ein Eiertanz, heute war es trocken und gut befahrbar. Oben angekommen, den Helm abgesetzt und tief eingeatmet. Dieser 360-Grad-Blick auf über 30 Dreitausender lässt dich klein wirken. Ein Moment der Stille im Kopf, trotz des Trubels am Parkplatz, der die Maut jeden Cent wert macht.
Die Abfahrt Richtung Salzburg und Zell am See ist dann eine Bremsprobe. Hier heißt es, die Motorbremse intelligent zu nutzen, um das Material nicht zu verglühen. In Zell am See angekommen, war ein wichtiger Haken auf meiner Liste gesetzt.
Durchquerung des Salzburger Landes und der Weg nach Tirol
Zell am See kann verkehrstechnisch eine Geduldsprobe sein. Deshalb war der kleine Abstecher zum Hintersee genau die richtige Entscheidung für eine kurze Pause. Ein Durchatmen abseits der Hauptrouten, bevor der Transit-Modus begann.
Um Strecke zu machen, wählte ich die Route über den Pass Thurn Richtung Kitzbühel. Die Landschaft wandelt sich hier. Die schroffen Felswände der Hohen Tauern weichen den sanfteren, grünen Riesen der Kitzbüheler Alpen. Über Kufstein ging es dann in Richtung der bayerischen Grenze. Die Verkehrsdichte nahm stetig zu, und die Straßenführung wird hier irgendwie unruhiger.
Der Ursprungpass war das Tor nach Bayern. Er ist natürlich bei weitem nicht so spektakulär wie der Glockner, aber fahrerisch durchaus reizvoll, weil er oft weniger befahren ist. Er führt streckenweise durch dichte Wälder und enge Kurvenkombinationen, die auch wieder mehr Arbeit am Lenker erfordern.
Das bayerische Finale: Sudelfeld und Tatzelwurm
Das nächste Zwischenziel kündigte sich an, als ich die Schilder zum Sudelfeld sah. Hier ist Vorsicht geboten: Das Sudelfeld ist bekannt für strenge Kontrollen und es gibt eine temporäre Richtungssperren für Motorräder. Also achtet auf die Beschilderung. Da ich „von der richtigen Seite“ kam, konnte ich das Sudelfeld legal und in vollen Zügen genießen. Die breite Straße verleitet zum Gasgeben, aber die Rennleitung ist oft präsent.
Der krönende Abschluss war die Tatzelwurm-Straße. Eine kleine, mautpflichtige Privatstraße, die viele gar nicht auf dem Schirm haben. Sie ist eng, führt durch den Wald und verbindet das Sudelfeld mit dem Inntal. Ein Leckerbissen zum Schluss, der noch einmal Konzentration forderte.
Als ich nach 9,5 Stunden und 487 Kilometern Zuhause den Motor abstellte, war durchgegart, erschöpft, aber absolut zufrieden. Es war ein Tour, die physisch durchaus einiges fordert, aber mental unglaublich viel zurückgibt. Wenn du die Alpen in ihrer ganzen Vielfalt an einem Tag erleben willst – vom Hochgebirge bis zum Voralpenland – dann musst du diese Route fahren.
Welcher dieser Pässe treibt dir den Puls am meisten in die Höhe? Steht der Großglockner schon in deinem Logbuch oder schwörst du eher auf die kleinen, unbekannten Nebenstrecken? Schreib mir deine Meinung in die Kommentare!








Du bist bereit für Dein nächstes Abenteuer. Hier findest Du eine Übersicht der gefahrenen Tour. Da ich die Tour für Dich aus meiner Navigation zu Goole Maps exportiere, kann es zu leichten Abweichungen kommen. Aber das eröffnet Dir neue Wege! Lade Dir die Routendatei direkt bei MyMaps als KML-Datei herunter und erlebe die atemberaubenden Straßen und Landschaften selbst! Die Nutzung der zur Verfügung gestellten Route geschieht allerdings auf eigenes Risiko.
| Start | Matrei, AUT |
| Ziel | Mainburg, DEU |
| Strecke | 487 km |
| Fahrzeit | 9 h |
Owned Miles










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