Motorradurlaub in Liechtenstein – Klein aber fein
Oftmals zählen nur Superlative: Die höchsten Pässe, die weitesten Wüsten, die längsten Touren. Ein Ziel wie Liechtenstein fällt in dieser „Höher-Schneller-Weiter“-Logik meist durch das Raster. Zu klein, zu unspektakulär, zu wenig Abenteuer. Doch genau das ist der Punkt, an dem ich einhaken muss. Manchmal liegt der Reiz im Unscheinbaren, im Sammeln von Ländern und in der intelligenten Verknüpfung von Routen.
Das Fürstentum ist winzig, liegt aber für uns Motorradfahrer strategisch absolut perfekt eingekeilt zwischen den Alpenriesen Österreichs und der Schweiz. Liechtenstein eignet sich kaum als alleiniges Reiseziel für einen zweiwöchigen Urlaub – es sei denn, man möchte jeden Kreisverkehr im Land persönlich begrüßen. Aber es eignet sich hervorragend als spannende Etappe, als kurioser Zwischenstopp oder als Basis für ausgedehnte Alpentouren im Dreiländereck. Es ist der Beweis, dass man Größe nicht in Quadratkilometern misst.
Die schönsten Routen
Wer hier endlosen Asphaltstaub erwartet, wird enttäuscht. Viel Strecke gibt es schlichtweg nicht. Doch die wenigen Kilometer haben es in sich, wenn man weiß, wo man suchen muss. Ein Highlight, das oft übersehen wird, ist die Fahrt hinauf nach Malbun. Es ist eine Sackgasse – ein Konzept, das viele „Kilometerfresser“ hassen, weil es sie scheinbar nicht vorwärtsbringt. Ich liebe es. Die Straße ist kurvig, der Asphalt meist top und oben hat man einen herrlichen Blick, ohne den Durchgangsverkehr-Stress. Ebenfalls lohnenswert ist der Übergang über den St. Luzisteig. Diese Verbindung zur Schweiz ist landschaftlich reizvoll und historisch interessant, da sie früher eine Festung war. Hier fährt man durch Geschichte, statt nur daran vorbeizurasen.
Wetter und Ausrüstung
Klimatisch herrscht hier klassisches Alpenwetter, mit allen Tücken, die dazu gehören. Es ist zwar oft milder als auf den umliegenden Pässen, doch lass dich von der Sonne im Tal nicht täuschen: Die Berge ringsum fungieren als Wetterscheide und bringen schnelle, brutale Wechsel. Wer hier ohne vernünftige Ausrüstung startet, weil er denkt „ist ja nur eine kleine Runde“, wird schnell nass bis auf die Knochen. Zwiebelprinzip und eine Regenkombi, die wirklich dicht ist, sollten auf jeden Fall ins Gepäck.
Verkehrsregeln
Jetzt wird es ernst und teuer. Liechtenstein orientiert sich stark am großen Bruder Schweiz und das spürt man im Geldbeutel. Es wird zwar offiziell mit Schweizer Franken (CHF) bezahlt, aber Euro werden meist akzeptiert, allerdings oft zu einem Kurs, der einem die Tränen in die Augen treibt. Viel wichtiger aber: Die Verkehrsregeln und vor allem die Bußgelder sind ähnlich drakonisch wie beim Schweizer Nachbarn. Wer hier den Gashahn zu weit aufreißt, finanziert den Staatshaushalt für das nächste Jahr. Die Freiheit auf zwei Rädern, die wir immer auf unseren Touren suchen, endet hier exakt am Ortsschild. Ein wichtiger Tipp zur Maut: Vignetten sind auf den rein liechtensteinischen Straßen nicht nötig. Aber Vorsicht bei der Anreise! Wer über die Schweizer Autobahn reinkommt, braucht zwingend die Schweizer Vignette. Die Kontrollen an den Grenzen sind häufig, und die Ausrede „Ich wollte nur kurz durch“ zählt nicht.
Unterkünfte
Liechtenstein ist ein Finanzplatz, kein Campingparadies für Budget-Biker. Die Preise für Unterkünfte in Vaduz oder Malbun sind für den Normalverdiener oft schmerzhaft hochpreisig. Hier prallt die Realität des einfachen Reisenden auf die Welt der Hochfinanz. Mein Rat für deinen Geldbeutel: Es lohnt sich fast immer, im grenznahen Feldkirch in Österreich zu übernachten. Dort sind die Preise moderater, das Schnitzel ist oft größer und du kannst Liechtenstein bequem als Tagestour besuchen, ohne dein Budget für Reifen und Benzin zu sprengen.
Warst du schon mal dort oder bist du immer nur durchgefahren? Lohnt sich der Stopp oder ist es nur ein Punkt auf der Abhak-Liste? Schreib mir deine Meinung!