Roadbook | Schweiz – Motorradtouren und Reiseberichte
Das Pässe-Paradies der Alpen! In diesem Roadbook findest du meine gesammelten Motorradtouren durch die Schweiz. Reiseberichte, Routen, Pässe und jede Menge Reisetipps.
Das Pässe-Paradies der Alpen! In diesem Roadbook findest du meine gesammelten Motorradtouren durch die Schweiz. Reiseberichte, Routen, Pässe und jede Menge Reisetipps.
Die Schweiz ist ein Werbeplakat. Landschaftlich bietet dieses Land wohl das Spektakulärste, was man in Europa unter die Räder nehmen kann. Die Bergmassive sind wuchtiger, die Täler tiefer und die Straßenbeläge so makellos, als würde jede Nacht ein Putztrupp mit der Zahnbürste darübergehen. Es ist eine Welt der Superlative.
Doch dieses Paradies ist ein goldener Käfig. Die Schweiz ist kein Land für den spontanen „Easy Rider“, der mit leerem Geldbeutel und wildem Herzen loszieht. Das Preisniveau treibt jedem Normalverdiener die Tränen in die Augen und das strikte Regelkorsett erfordert eine Disziplin, die den Begriff „Freiheit“ fast schon ad absurdum führt. Wer hier fährt, braucht Budget, Nerven und einen ständigen Blick auf den Tacho.
In der Zentralschweiz wartet die heilige Dreifaltigkeit auf uns: Furka, Grimsel und Susten. Diese „Big Three“ sind ein absolutes Muss für jeden Motorradfahrer. Allerdings teilt man sich diese landschaftliche Perfektion oft mit hunderten Wohnmobilen und Rennradfahrern. Etwas flüssiger und fahrerisch fast noch reizvoller geht es in Graubünden zu. Pässe wie der Julier, der Albula und der Bernina bieten traumhafte Kurvenkombinationen, die einen in einen wahren Rausch versetzen können – wenn der Verkehr es zulässt. Die St. Gotthard Tremola ist das wohl berühmteste Kopfsteinpflaster-Monument der Alpen. Es rüttelt dir die Plomben aus den Zähnen und ist Schwerstarbeit am Lenker, aber es ist eine Zeitreise, die jedes moderne Fahrwerk an seine Grenzen bringt.
Die Alpen sind gnadenlos. Die hohen Pässe öffnen nach dem Winter oft erst im Juni und machen die Schotten im Oktober schon wieder dicht. Wer seine Tour nicht tagesaktuell plant, steht schnell vor einer geschlossenen Schranke. Dazu kommt der thermische Wahnsinn: Während du im Tal bei 30 Grad im eigenen Saft schmorst und dir wünschst, du hättest nur ein T-Shirt an, frierst du eine Stunde später auf 2.400 Metern Höhe bei einstelligen Temperaturen. Das „Zwiebelprinzip“ bei der Bekleidung ist hier keine Modeempfehlung. Wer nur mit der coolen Lederjacke fährt, verliert.
Die Schweiz kennt im Straßenverkehr absolut keinen Humor. Das Stichwort lautet Via Sicura. Während uns die Motorradindustrie Maschinen mit 200 PS verkauft, wirst du hier behandelt wie ein Krimineller, wenn du das Potenzial auch nur ansatzweise nutzt. Schon geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen kosten ein Vermögen, das den Urlaub sprengt. Wer als „Raser“ eingestuft wird (und die Schwelle ist niedrig!), riskiert nicht nur den Führerschein, sondern Gefängnis und die entschädigungslose Enteignung des Motorrads. Die Maschine wird eingezogen und verkauft – das ist kein Witz. Dazu kommt der Überwachungsstaat: Radarwarner, egal ob als Gerät oder App auf dem Handy, sind streng verboten. Wer erwischt wird, zahlt und darf die Geräte teils noch vor Ort abgeben. Und vergiss nicht die Vignette für die Autobahn – ohne sie wird schon die Anreise teuer.
Die Schweiz ist sündhaft teuer. 25 Franken für eine Pizza sind keine Seltenheit. Wer aufs Budget achten muss, hat es schwer. Hostels, Campingplätze oder „Schlafen im Stroh“ auf dem Bauernhof sind Optionen, aber immer noch kein Schnäppchen. Mein Tipp für Sparfüchse: Such dir eine Unterkunft im grenznahen Ausland (Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich). Dort schläfst und isst du zu menschlichen Preisen und pendelst für Tagestouren in die Schweiz. Man muss ja nicht gleich das ganze Monatsgehalt auf den Kopf hauen, nur um ein paar Pässe zu fahren.
Ist dir die Schweiz das finanzielle und rechtliche Risiko wert, oder machst du einen Bogen um die Eidgenossen? Schreib mir deine Meinung in die Kommentare!