Roadbook | Tschechien – Motorradtouren und Reiseberichte
Nachbarland voller Kurven! In diesem Roadbook findest du alle meine Motorradtouren durch Tschechien. Von Böhmen bis Mähren: Routen, Tipps und Reiseberichte im Überblick.
Nachbarland voller Kurven! In diesem Roadbook findest du alle meine Motorradtouren durch Tschechien. Von Böhmen bis Mähren: Routen, Tipps und Reiseberichte im Überblick.
Haben wir immer Lust auf den Stau am Pass, die Abzocke bei der Maut und den Cappuccino für sechs Euro? Tschechien ist für mich der heilsame Gegenentwurf zu diesem Trend. Es ist eines der entspanntesten Reiseländer für Motorradfahrer, die noch wissen, worum es eigentlich geht: Fahren, Essen, Schlafen – und das zu Preisen, bei denen man nicht zuckt. Tschechien ist gastfreundlich, herrlich unaufgeregt und landschaftlich reizvoll. Besonders die Grenzgebirge bieten Strecken, auf denen man noch einsam seine Bahn ziehen kann, weit abseits des alpinen Massentourismus, wo man sich den Asphalt mit hunderten Wohnmobilen teilen muss.
Wer Kurven sucht, muss nicht bis nach Südtirol. Der Böhmerwald (Šumava) bietet einen fast nahtlosen Übergang vom Bayerischen Wald. Hier fährst du durch endlose, tiefgrüne Wälder und vorbei an riesigen Talsperren. Es ist eine meditative Ruhe, die nur vom Sound deines Auspuffs unterbrochen wird. Weiter nördlich warten das Riesengebirge und das Erzgebirge. Diese Grenzregionen zu Polen und Deutschland sind rau, kurvig und ehrlich. Hier zählt fahrerisches Können mehr als das elektronische Fahrwerk. Ein absolutes Highlight, das in unserer sicherheitsfanatischen Welt fast wie ein Anachronismus wirkt, sind die Biker-Höhlen (Pekelné Doly). Es ist ein einzigartiges Erlebnis, das jeden TÜV-Prüfer in den Wahnsinn treiben würde: Man darf mit dem laufenden Motorrad direkt in die riesige Sandsteinhöhle bis vor die Bar fahren. Der Geruch von Benzin mischt sich mit dem Duft von Essen – das ist Rock ’n‘ Roll, das ist Atmosphäre, und es ist meilenweit entfernt von sterilen Raststätten.
Vergiss die alten Vorurteile vom kaputten Osten. Dank EU-Fördergeldern hat sich die Straßenqualität massiv verbessert. Die Hauptrouten sind oft besser als im maroden Westen. Aber – und das gehört zur ehrlichen Realität dazu – auf Nebenstrecken muss man immer noch mit Überraschungen rechnen. Schlaglöcher, die das Fahrwerk testen, oder die berüchtigten Bitumen-Schmierereien sind keine Seltenheit. Aber hey, das nennen wir doch „Abenteuer“, oder? Die Reisezeit ist analog zu Deutschland von Mai bis Oktober, wobei der Herbst in den Wäldern eine Farbenpracht bietet, die kein Foto-Filter imitieren kann.
Freiheit hat Grenzen und in Tschechien sind diese promillehaltig. Hier gilt 0,0 Promille. Absolutes Alkoholverbot am Lenker. Das Feierabendbier gibt es wirklich erst, wenn der Seitenständer ausgeklappt ist. Daran sollte man sich strikt halten, die Polizei kennt keinen Touristenbonus. Ein Punkt, der mir ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert, ist die Maut. Während uns Österreich und die Schweiz gnadenlos zur Kasse bitten, sind Motorräder auf tschechischen Autobahnen in der Regel mautfrei. Das ist echte Motorradfreundlichkeit statt Abzocke. Bezahlt wird mit Tschechischen Kronen (CZK). Zwar geht die Karte fast überall, aber auf den Dörfern ist Bargeld immer noch König. Ein Bündel Kronen in der Tasche beruhigt ungemein, wenn der Tankwart nur verständnislos auf dein Smartphone starrt.
Hier zeigt sich der größte Unterschied zum Alpenraum. Pensionen und Campingplätze sind unverschämt günstig und der Standard ist oft überraschend gut und herzlich. Man braucht keinen Wellness-Tempel, um glücklich zu sein; ein sauberes Bett und ein deftiges Gulasch reichen völlig. Einziger Wermutstropfen: Gelegentlich hört man von Diebstählen. Das Motorrad sicher abzustellen – am besten im Innenhof oder einer Garage – sollte bei der Buchung Priorität haben, damit der günstige Urlaub nicht teuer endet.
Warst du schon mal in den Biker-Höhlen oder ist dir der Osten immer noch zu suspekt? Erzähl mir von deinen Vorurteilen oder Erlebnissen in den Kommentaren!