Abenteuer statt Touristenmassen auf dem Bohinjsko Sedlo


Der Plan klang gut: Bled und Bohinj. Die Realität war ein Touristen-Albtraum. Doch genau das führte uns zu den besten Straßen Sloweniens. Erfahre, was Bohinjsko Sedlo und der Tuškov Grič fahrerisch alles abverlangen und warum 275 Kilometer selten so intensiv waren wie heute.
Die Flucht vor den Touristenmassen an den berühmten Seen
Eigentlich stand heute das „Who is Who“ der slowenischen Postkartenmotive auf dem Plan. Wer an eine Motorradtour durch Slowenien denkt, hat fast automatisch das Bild der kleinen Kirche im Bleder See oder das smaragdgrüne Wasser von Bohinj im Kopf. Auch wir hatten uns darauf gefreut, diese Highlights live zu sehen. Doch die Realität hat uns heute Morgen eiskalt erwischt und die romantische Vorstellung innerhalb von Minuten zerstört.
Schon Kilometer vor Bled standen wir im Stau. Wo man eigentlich den Fahrtwind genießen und den Blick schweifen lassen möchte, kämpften wir mit Stop-and-Go, der Abwärme der Motoren und Abgasen von hunderten Reisebussen. Der Gletschersee Bled und der Bohinjer See sind zweifellos wunderschön, aber sie sind Opfer ihrer eigenen Popularität geworden. Es war schlichtweg unerträglich voll. Parkplätze waren Mangelware, und die Menschenmassen schoben sich wie eine zähflüssige Masse an den Ufern entlang.
Für uns als Motorradfahrer war schnell klar, dass wir hier keine Sekunde länger als nötig bleiben. Das hat nichts mit dem Gefühl von Freiheit zu tun, das wir auf zwei Rädern suchen. Also haben wir eine Entscheidung getroffen, die den Tag retten sollte: Visier runter, Blinker setzen und weg von den Hauptrouten. Wir suchten das Hinterland, die Stille und den Asphalt, der noch nicht von tausenden Wohnmobilen glattpoliert wurde.
Wenn die Straße schmaler als das Motorrad wirkt
Was dann folgte, war der absolute Kontrast zum Vormittag und fahrerisch eines der intensivsten Erlebnisse der bisherigen Reise. Unsere Fluchtroute führte uns über das Bohinjsko Sedlo (Soriška Planina) und weiter über den Tuškov Grič tief ins Landesinnere. Hier zeigt sich Slowenien von einer Seite, die in keinem Standard-Reiseführer steht und die man sich erarbeiten muss.
Die Straßenverhältnisse änderten sich dramatisch. Aus den breiten Bundesstraßen wurden schmale Asphaltbänder, die sich tief in die Wälder und über die Bergrücken frästen. Stellenweise war die Fahrbahn so eng, dass man sich fragte, ob hier überhaupt ein Auto entgegenkommen dürfte. Es gab Passagen, da passte gefühlt genau eine Motorradbreite auf den Asphalt. Das forderte volle Konzentration. Hier gibt es keine Leitplanken, die Fehler verzeihen, sondern oft nur den direkten Blick in den Abgrund oder die massive Felswand auf der anderen Seite.
Der Asphalt selbst war griffig, aber unberechenbar. Mal perfekter neuer Belag, dann wieder aufgebrochene Kanten und Schotterreste in den Kurvenausgängen. Das Fahrwerk musste arbeiten und wir spürten jede Unebenheit im Lenker. Aber genau das macht den Reiz aus: Du fährst nicht einfach, du arbeitest mit der Maschine. Du spürst die Mechanik, den Grip der Reifen und die direkte Rückmeldung der Straße.
Spitzkehren im Härtetest für Mensch und Maschine
Besonders der Tuškov Grič und die kleineren Verbindungsstraßen haben uns heute fahrtechnisch etwas mehr abverlangt. Wir sprechen hier nicht von weiten, schwingenden Kurven, die man im dritten Gang genüsslich durchzieht. Wir sprechen von Spitzkehren, die so eng geschnitten sind, dass man sie fast im Trial-Stil bewältigen muss.
Einige Kehren waren so extrem im Radius und gleichzeitig so steil ansteigend, dass ein einfaches Einlenken nicht reichte. Wir musste teilweise in zwei Zügen fahren oder massiv mit der Hinterradbremse und schleifender Kupplung arbeiten, um die Maschine nicht abzuwürgen oder umzukippen. Das ist Motorradfahren. Wer hier sein Bike nicht sicher im Griff hat, bekommt Probleme. Immer wieder gab es Momente, wo wir kurz den Atem anhielten, den Lenker bis zum Anschlag eingeschlagen und hoffend, dass der Gegenverkehr nicht genau jetzt um die Ecke biegt.
Doch die Belohnung für diese Mühen war gigantisch. Oben angekommen, öffneten sich Panoramen, die uns die Sprache verschlugen. Wir blickten über die schroffen Gipfel der Julischen Alpen und das grüne Hügelland, völlig allein. Keine Busse, keine Selfiesticks, nur das Knacken der abkühlenden Auspuffanlagen und der Geruch der umliegende Wiesen und Wälder.
Wie sich 275 Kilometer und 8,5 Stunden anfühlen
Als wir nach 8,5 Stunden Fahrtzeit an unserer heutigen Unterkunft ankamen, waren wir im absoluten Hochgefühl. 275 Kilometer klingen auf dem Papier vielleicht nach einer entspannten Tagesetappe. Aber auf diesen Strecken, mit diesem technischen Anspruch und der ständigen Konzentration, zählt fast jeder Kilometer doppelt.
Der Durchschnitt war niedrig, die Intensität hoch. Die Hände vibrierten noch leicht nach, der Nacken war steif, aber das Grinsen im Gesicht war eingebrannt. Dieser Tag hat uns wieder gelehrt, dass die bekannten Highlights oft nicht die wahren Höhepunkte einer Motorradreise sind. Das wahre Abenteuer beginnt dort, wo die Fahrbahnmarkierung aufhört und die Straße zur Herausforderung wird.
Kennst du ähnliche versteckte Routen in Slowenien? Schreib sie in die Kommentare!








| Distanz | 275 km |
| Reine Fahrzeit | ca. 8,5 Stunden (inkl. kurzer Fotostopps) |
| Schwierigkeitsgrad | Hoch (Enge Kehren, schmale Straßen) |
| Highlights | Bohinjsko Sedlo, Tuškov Grič |
| Maut/Gebühren | Keine |
Du bist bereit für Dein nächstes Abenteuer. Hier findest Du eine Übersicht der gefahrenen Tour. Da ich die Tour für Dich aus meiner Navigation zu Goole Maps exportiere, kann es zu leichten Abweichungen kommen. Aber das eröffnet Dir neue Wege! Lade Dir die Routendatei direkt bei MyMaps als KML-Datei herunter und erlebe die atemberaubenden Straßen und Landschaften selbst! Die Nutzung der zur Verfügung gestellten Route geschieht allerdings auf eigenes Risiko.
| Start | Radovljica, SVN |
| Ziel | Strahevica, SVN |
| Strecke | 275 km |
| Fahrzeit | 8,5 h |
Owned Miles










Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!