Vom Nassfeldpass zum Vršičpass

Endlich trockener Asphalt! Tag 3 führt uns ins Herz des Dreiländerecks. Vom perfekten Grip am Nassfeldpass über die steile Rampe des Wurzenpasses bis zum Kopfsteinpflaster-Abenteuer am Vršič. Eine 315-Kilometer-Etappe, die fahrerisch alles abverlangt und landschaftlich überwältigt. Hier ist das detaillierte Roadbook inklusive Härtetest der Bremsen.

Mit perfektem Grip über den Nassfeldpass

Nach den Regenschlachten der letzten Tage fühlt es sich fast surreal an: Die Sonne scheint schon am Morgen auf das Visier, und der Asphalt ist trocken, griffig und warm. Wir starten in Österreich, und die Laune könnte nicht besser sein. Heute steht das Dreiländereck auf dem Plan – Österreich, Italien, Slowenien. Das klingt nicht nur nach viel Strecke, das ist eine fahrerische Ansage.

Der Auftakt macht direkt klar, wohin die Reise heute geht: Der Nassfeldpass. Wer Passstraßen lieb, die wie für Motorradfahrer modelliert wirken, ist hier richtig. Die Straße auf österreichischer Seite ist breit, der Belag in einem Top-Zustand. Hier kannst du das Motorrad laufen lassen. Wir schwingen uns von Kurve zu Kurve und finden sofort einen Rhythmus. Es fühlt sich immer wieder gut an, wenn Maschine und Fahrer eine Einheit bilden – die Schräglage wird mit jedem Meter mutiger.

Oben auf der Passhöhe überqueren wir fast unbemerkt die Grenze nach Italien. Auf der Südseite, hinunter Richtung Pontebba, ändert sich der Charakter leicht. Die Straße wird etwas schmaler, technischer und fordert mehr Konzentration auf der Bremse. Aber genau das wollen wir ja.

Vom steilen Wurzenpass zu den Kurven des Predil

Nach einem kurzen Intermezzo in Italien und der Überquerung des Sella di Camporosso sind wir fast schon zu schnell wieder zurück in Österreich. Aber das war der Plan, denn jetzt wartet der Wurzenpass. Und auch der hat es in sich. Wer hier mit einer schwachbrüstigen Maschine oder Sozius unterwegs ist, muss am Gas bleiben. Die Steigungsprozente sind knackig, stellenweise drückt es dich ordentlich in den Sitz. Die Straße ist ruppiger als am Nassfeld und nochmal irgendwie ehrlicher. Oben grüßt der alte T-34 Panzer am Straßenrand – ein stummer Zeuge der Geschichte, an dem wir heute aber relativ zügig vorbeiziehen.

Wir fallen förmlich nach Slowenien ein, nur um kurz darauf wieder Richtung Italien abzubiegen. Das Ziel: Der Predilpass (Predil-Sattel). Landschaftlich ist das für mich einer der schönsten Abschnitte der heutigen Tour. Während der Wurzenpass Arbeit ist, ist der Predil Genuss. Die Straße schlängelt sich an massiven Felswänden entlang, unten blitzt immer wieder Wasser hervor. Der Asphalt gibt genug Vertrauen, um die Fahrlinie sauber zu ziehen, auch wenn man gefühlt immer ein Auge auf eventuelle Steinschläge haben möchte.

Der legendäre Vršič-Pass fordert Mensch und Maschine

Der absolute Höhepunkt – und gleichzeitig die größte Herausforderung des Tages – wartet nach der erneuten Einreise nach Slowenien: Der Vršič-Pass. Er ist der höchste Gebirgspass Sloweniens und verbindet Kranjska Gora mit dem Soča-Tal. Schon die Anfahrt lässt erahnen, dass das hier kein Kindergeburtstag wird. Die Julianischen Alpen bauen sich wie eine Wand vor uns auf.

Der Vršič ist berühmt-berüchtigt für seine Kehren. Insgesamt sind es 50 nummerierte Serpentinen, aber das eigentliche Thema ist der Belag. Viele der Spitzkehren auf der Nordseite sind mit Kopfsteinpflaster ausgelegt. Auch wenn es heute trocken ist, steigt der Puls vor jeder Kehre. Das Feedback vom Vorderrad ändert sich schlagartig von „sattem Grip“ zu „rutschigem Rumpeln“.

Hier mussten wir die Linie präzise wählen. Bloß nicht in der Kehre hektisch bremsen oder das Gas aufreißen. Es ist teilweise „ein Tanz auf rohen Eiern“, der aber unglaublich viel Spaß macht. Die Federung arbeitet im Akkord, die Handgelenke spüren die Pflastersteine. Oben angekommen, auf 1.611 Metern, pfeift der Wind, und der Blick auf die schroffen Kalkgipfel entschädigt für jeden Tropfen Schweiß unter dem Helm.

Leider mussten wir kurz nach der Grenze die Abzweigung zur Mangartstraße links liegen lassen – sie war gesperrt. Das ist bitter, denn die Mangartstraße ist die höchste befahrbare Straße Sloweniens und eine Sackgasse, die normalerweise spektakuläre Panoramen liefert. Aber wie sagt man so schön? Ein Grund mehr, wiederzukommen.

Verdienter Feierabend in Bled

Der finale Abschnitt führt uns über den weniger bekannten, aber sehr flüssigen Kosmačev preval. Hier gibt es nur wenige Geraden und so wedelt das Motorrad eigentlich permanent von links nach rechts. Nach über 300 Kilometern merken wir das langsam im Rücken und in den Kupplungsfingern.

Als wir am späten Nachmittag in Bled ankommen, ist der Tank fast leer und die Energie auch. Aber es ist ein gute Art von Müdigkeit. 315 Kilometer, drei Länder, unzählige Schaltvorgänge. Slowenien hat sich heute von seiner besten Seite gezeigt. Toller Asphalt und eine Landschaft, die dich klein wirken lässt. Bled, das Ende unserer heutigen Etappe, empfängt uns mit seinem Postkarten-Panorama, auch wenn uns nach dem heuteigen Tag der See fast egal ist. Ein Abstecher an das Seeufer steht für morgen auf dem Plan.

Die heutige Etappe war der Beweis, dass Slowenien ein absolutes Paradies für Tourenfahrer ist. Wer Kurven sucht, wird hier fündig – bis ihm schwindelig wird. Aber, Hand aufs Herz: Wer von euch mag diese Kopfsteinpflaster-Kehren am Vršič wirklich? Ich finde sie kultig, aber fahrerisch… speziell.


Du bist bereit für Dein nächstes Abenteuer. Hier findest Du eine Übersicht der gefahrenen Tour. Da ich die Tour für Dich aus meiner Navigation zu Goole Maps exportiere, kann es zu leichten Abweichungen kommen. Aber das eröffnet Dir neue Wege! Lade Dir die Routendatei direkt bei MyMaps als KML-Datei herunter und erlebe die atemberaubenden Straßen und Landschaften selbst! Die Nutzung der zur Verfügung gestellten Route geschieht allerdings auf eigenes Risiko.

StartVillach, AUT
ZielRadovljica, SVN
Strecke315 km
Fahrzeit7,5 h


Owned Miles

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert