Vater und Sohn im Fränkischen Seenland

Die Luft flirrt über dem schwarzen Asphalt, während das Altmühltal seine schönsten Kurven entfaltet. Begleite uns auf einer emotionalen Vater-Sohn-Tour vom Herzen Oberbayerns bis zum glitzernden Brombachsee. Zwischen KTM-Leichtigkeit und BMW-Druck erleben wir 286 Kilometer pure Freiheit und das perfekte Zusammenspiel zweier völlig unterschiedlicher Motorrad-Welten.

Die Hitze drückt bereits am frühen Morgen, als wir unsere Maschinen aus der Garage schieben. Die Kontraste zwischen unseren Motorrädern wirken auf den ersten Blick gewaltig. Die kleine Duke bringt fahrfertig knapp über 150 Kilogramm auf die Waage und leistet 15 PS. Die wuchtige GS kontert mit über 250 Kilogramm und 125 PS. Viele Fahrer zweifeln oft daran, ob eine gemeinsame Tour mit solch extremen Leistungsunterschieden überhaupt Sinn ergibt. Sie fürchten Frustration auf beiden Seiten. Doch genau diese Bedenken lösen wir heute auf dem Asphalt in Luft auf.

Wir starten in Richtung Altmühltal und halten uns dann nördlich an Ingolstadt vorbei, zielsicher in Richtung Brombachsee. Die Straßen winden sich hier wie ein graues Band durch die sattgrüne Landschaft. Der Fahrtwind kühlt uns in den Kombis nur minimal, denn das Thermometer klettert unaufhaltsam in Richtung der 30-Grad-Marke. Ich beobachte im Rückspiegel, wie mein Sohn die leichte KTM durch die Kurven steuert. Er nutzt den Schwung, wählt saubere Linien und hält die Drehzahl hoch. Die Agilität der 125er diktiert das Tempo im Kurvengeschlängel. Wir surfen gemeinsam über den griffigen Asphalt. Das laute Kreischen des KTM-Motors und das dumpfe Wummern meines Boxers verschmelzen zu einer perfekten Symphonie der Straße.

Rettender Schatten

Die Sonne brennt mittlerweile unbarmherzig vom stahlblauen Himmel. Unsere Kleidung speichert jede noch so kleine Wärmeeinheit und die Hitze raubt uns die Konzentration. Viele Fahrer neigen dazu, Pausen aus Zeitmangel einfach zu überspringen. Sie wollen Kilometer fressen und das Ziel schnellstmöglich erreichen. Doch dieser falsche Ehrgeiz führt unweigerlich zu gefährlichen Fehlern. Wir machen das anders. Wir finden eine kleine, unscheinbare Bushaltestelle am Straßenrand, deren Blechdach einen erholsamen Schatten auf den Gehweg wirft. Wir ziehen die Kupplungen, rollen aus und klappen die Seitenständer aus.

Das Abnehmen des Helms fühlt sich wie eine Befreiung an. Wir trinken das lauwarme Wasser aus unseren Flaschen in großen Zügen. Der Schweiß rinnt uns die Schläfen hinunter. Diese ungeplanten Stopps stören den Fluss der Reise keineswegs. Sie intensivieren das Erlebnis. Wir fachsimpeln über den Straßenbelag, der an einigen Stellen durch die enorme Hitze fast flüssig wirkt. Der Reifen der KTM klebt förmlich auf der Straße, was meinem Sohn enormes Vertrauen in die Schräglage gibt. Wer sich die Zeit für solche Momente nimmt, schützt nicht nur seine Gesundheit, sondern sammelt die besten Erinnerungen abseits des Fahrens. Die Entschleunigung gibt uns die Energie zurück, die wir für den Endspurt brauchen.

Der Brombachsee

Nach der Schattenpause schwingen wir uns wieder in die Sättel. Die Landschaft verändert langsam ihr Gesicht. Die Kalkfelsen des Altmühltals weichen weicheren Hügeln und weitläufigen Feldern. Dann glitzert der Brombachsee tiefblau vor uns in der Mittagssonne. Ein kurzer Stopp am Uferkragen reicht aus, um die beeindruckende Weite aufzusaugen. Wir blicken ein letztes Mal auf die glitzernde Wasseroberfläche, bevor wir die Zündschlüssel wieder drehen. Der Rückweg ruft.

Wir verändern unsere Route bewusst und steuern unsere Maschinen diesmal auf einer weitläufigen Schleife südlich an Ingolstadt vorbei. Diese neue Streckenwahl bringt völlig andere fahrerische Dynamiken mit sich. Die tief stehende Nachmittagssonne wirft lange Schatten und taucht die Felder der Donauebene in ein warmes Licht. Die drückende Hitze weicht langsam einer angenehmen Brise. Die frische Luft strömt durch die offenen Belüftungsschlitze unserer Jacken und kühlt unsere Körper spürbar, aber wir atmen noch immer den Duft von trockenem Getreide und warmem Staub.

Die letzten Kilometer

Die Landschaft südlich von Ingolstadt öffnet sich weiter, die Kurvenradien werden größer und flüssiger. Mein Sohn nutzt diese langgezogenen Bögen und hält die Drehzahl der KTM im optimalen Bereich. Ich folge ihm auf der schweren GS und lasse den gewaltigen Drehmoment-Vorteil am Kurvenausgang entspannt spielen. Nach der Zeit im Sattel spüren wir unsere Muskeln. Die Kupplungshand wird schwerer, der Nacken meldet sich.

Am frühen Abend rollen wir schließlich auf unsere heimische Einfahrt. Der Tageskilometerzähler springt über die 300-Kilometer-Marke. Wir schalten die Motoren ab, nehmen die Helme ab und schauen uns an. Das breite Grinsen in unseren Gesichtern verrät alles. Diese gemeinsamen 300 Kilometer brennen sich tief in unser Gedächtnis ein und verbinden uns noch enger.

Welche Erfahrungen sammelst du auf Touren mit stark unterschiedlichen Motorrädern und wie passt ihr eure Fahrweise aneinander an?


StartMainburg, DEU
ZielMainburg, DEU
Strecke300 km
Fahrzeit5,5 h


Owned Miles

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