Meine Genuss-Route von Kärnten ins Salzburger Land

Der Abschied von Slowenien fällt schwer, aber dieser sechste Tag beweist, dass der Weg das Ziel ist. Statt schroffer Felsen warten grüne Almwiesen und perfekter Asphalt. Die Kombination aus Nockalmstraße, dem einsamen Schönfeldsattel und dem Sölkpass ist die vielleicht schönste Art, von Kärnten ins Salzburger Land zu reisen.

Vom schroffen Karst in die sanften Nockberge

Die Tour neigt sich dem Ende zu und die Landschaft lässt uns einfach nicht los. Genau das passiert uns heute. Tag 6 steht im Zeichen der Rückreise. Wir lassen die schroffen, fast aggressiven Felsformationen der Julischen Alpen und Karawanken hinter uns. Aber statt den direkten, langweiligen Weg über die Autobahn zu wählen, entscheiden wir uns für das Kontrastprogramm.

Es geht von Kärnten hinauf ins Salzburger Land. Die Kulisse wechselt von grauem Kalkstein zu sattem Grün. Die Kurven werden runder, flüssiger, nahezu meditativ. Mit der Hochrindl, der berühmten Nockalmstraße, dem unterschätzten Schönfeldsattel, der Bundschuh Landesstraße und dem Sölkpass steht heute ein Line-up auf dem Programm, das jedem Tourenfahrer das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Der sanfte Einstieg über die Hochrindl

Der Morgen startet frisch, aber vielversprechend. Als erstes „Warm-up“ für die Reifenflanken dient uns die Hochrindl. Oft sehen Motorradfahrer diesen Pass nur als Zubringer, aber das wird ihm nicht gerecht. Die Straße schlängelt sich wunderbar durch dichte Wälder, die immer wieder den Blick auf die Kärntner Nockberge freigeben.

Der Asphalt hier ist griffig, und die Radien der Kurven sind nicht so eng und fordernd wie die Spitzkehren der vergangenen Tage in Slowenien. Es ist der perfekte Ort, um wieder in den Flow zu kommen. Man spürt hier oben, auf rund 1.600 Metern, wie die Luft klarer wird. Es riecht nach Harz und feuchtem Waldboden. Ein sensorischer Reset, bevor das Highlight des Tages auf uns wartet.

Warum die Nockalmstraße jeden Cent wert ist

Wenn es eine Straße gibt, die wie speziell für uns Motorradfahrer in die Landschaft gemeißelt wirkt, dann ist es die Nockalmstraße. Ja, sie kostet Maut. Und ja, ich höre oft die Diskussionen, ob man für öffentliche Straßen zahlen sollte. Aber sobald du die ersten Kilometer hinter der Mautstelle hinter dir hast, verstummen alle Zweifel.

Auf 34 Kilometern erlebst du hier 52 Kehren, die so perfekt angelegt sind, dass du fast vergisst zu schalten. Es gibt keine „bösen Überraschungen“ im Asphalt, keine unübersichtlichen Engstellen. Es ist ein Tanz von Kurve zu Kurve durch den Biosphärenpark. Anders als in den Dolomiten, wo Felswände einen oft beinahe „erdrücken“, hast du hier Weite. Die sanften Kuppen der Nockberge (die „Nock’n“) sind grün, baumlos an den Gipfeln und bieten eine Fernsicht, die das Herz weitet.

Wir halten oben an der Glockenhütte kurz an. Nicht wegen einer langen Pause, sondern einfach, um die Stille der Berge aufzusaugen. Es ist weniger hochalpin, dafür harmonischer. Ein Genuss für das Fahrwerk und die Seele.

Über den Schönfeldsattel und durch das Thomatal

Nach dem perfekten Asphalt der Nockalm wird es uriger. Der Weg führt uns weiter über den Schönfeldsattel. Dieser Übergang ist weniger bekannt und genau deshalb so wertvoll. Hier triffst du kaum auf Wohnmobile oder Reisebusse. Die Straße wird schmaler, die Linie etwas unruhiger, aber genau das macht den Reiz aus.

Besonders die Weiterfahrt über die Bundschuh Landesstraße durch das Thomatal beeindruckt mich. Wer auf der Karte nicht genau hinschaut, übersieht diese Perle. Es ist eine dieser Verbindungsstraßen, die sich anfühlen wie eine Zeitreise. Wenig Verkehr, kleine Ortschaften und eine Streckenführung, die sich natürlich dem Bachlauf und dem Tal anpasst. Hier musst du wieder mehr arbeiten, die Straße „lesen“, auf Belagwechsel achten. Genau diese Abwechslung zur perfekt ausgebauten Nockalm macht diesen Tag fahrerisch spannend.

Das Finale am Sölkpass

Zum Abschluss des Tages wartet mit dem Sölkpass der Übergang in die Steiermark bzw. Richtung Ennstal. Der Sölkpass ist für mich immer ein kleines Abenteuer. Er ist schmal, oft ohne Mittelmarkierung und wirkt deutlich wilder als seine Nachbarn. Hier oben auf knapp 1.800 Metern pfeift der Wind oft etwas rauer.

Die Auffahrt verlangt noch einmal volle Konzentration nach den Stunden im Sattel. Aber die Aussicht oben an der kleinen Kapelle entschädigt für alles. Man schaut zurück auf die Gipfel und realisiert, wie viele Höhenmeter man heute schon hinter sich hat. Die Abfahrt Richtung Stein an der Enns fordert dann noch einmal Disziplin – die Bremsen müssen arbeiten, und in den schattigen Waldstücken ist der Asphalt teilweise noch feucht. Ein würdiger Abschluss für diese Etappe.

Nach 270 Kilometern und gut 7 Stunden (inklusive Pausen und Fotostopps) erreichen wir unsere Unterkunft im Salzburger Land. Wir sind müde, aber auf angenehme und gute Art, wie man sie nur nach einem Tag voller Kurven spürt. Der Kontrast zu Slowenien ist deutlich spürbar, aber genau das macht diesen Tag besonders. Es ist nicht einfach nur eine „Heimreise“, es ist eine eigenständige, hochwertige Tour durch einige der schönsten Ecken Österreichs.


Du bist bereit für Dein nächstes Abenteuer. Hier findest Du eine Übersicht der gefahrenen Tour. Da ich die Tour für Dich aus meiner Navigation zu Goole Maps exportiere, kann es zu leichten Abweichungen kommen. Aber das eröffnet Dir neue Wege! Lade Dir die Routendatei direkt bei MyMaps als KML-Datei herunter und erlebe die atemberaubenden Straßen und Landschaften selbst! Die Nutzung der zur Verfügung gestellten Route geschieht allerdings auf eigenes Risiko.

StartFeldkirchen in Kärnten, AUT
ZielEben im Pongau, AUT
Strecke270 km
Fahrzeit7 h


Owned Miles

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