Vom Touristen-Chaos zur Böhmerwald-Idylle: Meine Tschechien-Etappe


Die vorletzte Etappe der Heimreise versprach Entspannung. Nach den fordernden Straßen in Ungarn und der Slowakei war Tschechien Balsam für das Fahrwerk. Zumindest bis zum Lipno-Stausee. Dort traf absolute Stille auf den touristischen Wahnsinn. Warum ich ohne Foto weiterfuhr und wieso diese 380 Kilometer trotzdem ein Highlight waren, liest du hier.
Die Heimreise steht an. Es ist die vorletzte Motorrad-Etappe meiner mehrtägigen Motorradtour, die mir doch noch irgendwie in den Knochen steckt. Nach den Straßen der letzten Tage in Ungarn, wo das Fahrwerk vom Motorrad und meine Bandscheiben auf eine harte Probe gestellt wurden, hoffte ich heute auf ein bisschen Ruhe und einfaches Fahren abseits des Trubels. Das Navi zeigte mir den Weg nach Nordwesten, quer durch Tschechien und weiter in Richtung Bayerischer Wald. Meine Erwartungen waren gemischt, doch was mich auf den ersten hundert Kilometern erwartete, war genau das, was ich erhofft hatte.
Der Flow auf tschechischem Asphalt
Nach Tagen auf geflickten Schlaglochpisten fand ich mich auf glattem, griffigem Asphalt wieder. Sowohl ich, als auch das Motorrad atmeten auf. Die tschechischen Landstraßen empfingen mich fast menschenleer und ich hatte freie Fahrt. Keine LKWs, keine Wohnmobile, keine unberechenbaren Schlaglöcher. Es war der perfekte Ausgleich zu den gestrigen Pisten, wo ich ständig gegen den Untergrund kämpfen musste.
Die Landschaft aus Wäldern, kleinen Dörfern und sanften Hügeln zog an mir vorbei. Ich konnte das Visier einen Spalt offen lassen und den morgendlichen Geruch aus den Wäldern und von den Wiesen erleben. Abgesehen von naheliegenden Kuhställen oder frisch gedüngten Feldern, liebe ich diese direkte Wahrnehmung einfach. Der Tag startete also vielversprechend und ich hatte mich innerlich auf einen reinen Genuss-Tag eingestellt.
Der Schock am Lipno-Stausee
Doch jede Medaille hat eine Kehrseite, und meine holte mich am Lipno-Stausee ein. Auf der Karte sah es verlockend aus: Straßen direkt am Wasser, blaue Fläche, Kurvenpotenzial und eine Fahrt mit der Fähre. In der Realität war es das absolute Gegenteil meiner bisherigen Entspannungsetappe. Schon Kilometer vor dem See verdichtete sich der Verkehr. Dann kam der Stausee in Sicht – und mit ihm eine Wand aus Autos, Campern und Reisebussen. Es war vorbei mit der Ruhe un ich hatte meinen ganz persönlichen Lipno-Schock. Ich sah die Landschaft vor lauter Menschen, Autos, bunten Sonnenschirmen und Tretbooten nicht. Mehr oder weniger im Stop-and-Go ging es vorwärts.
Ich hatte eigentlich geplant, hier kurz anzuhalten. Ein schönes Foto, die Füße kurz ins Wasser halten und vielleicht ein Kaffee mit Blick aufs Wasser. Aber ganz ehrlich? Die Suche nach einer Lücke, um das Motorrad überhaupt abstellen zu können, machte mir keinen Spaß. Ich sah genervte Autofahrer beim Einparken und Schlangen von Menschen, die Richtung Stausee strömten. Ganz im Gegenteil zu meiner morgendlichen Euphorie, kippte meine Laune. Ich hatte absolut keine Lust auf diese Art von Touristen-Hotspots.
Also traf ich die Entscheidung einfach weiterzufahren. Ich habe den Blinker nicht gesetzt, bin nicht abgebogen. Ohne Fotos, nur mit den Bildern in meinem Kopf – und der Gewissheit, dass das Chaos hinter mir lag. Manchmal ist das Weiterfahren die bessere Option, um die Tour zu retten.
Der Böhmerwald lohnt sich dennoch
Im Großen und Ganzen war die Route in die Tschechei trotzdem die perfekte Wahl für diese Etappe der Heimreise. Sobald ich den Trubel des Stausees hinter mir gelassen hatte, gehörten die Straßen wieder mir. Es ging jetzt in den Böhmerwald. Kleine, coole Strecken, die ich weiterhin fast für sich alleine hatte. Es ging ständig auf und ab, enge Kehren wechselten sich mit zügigen Passagen ab. Hier konnte ich die Kilometer nur so fressen, ohne dass es anstrengend wurde.
Bis ich die Grenze nach Deutschland überquerte, hatte ich meine Euphorie wiedergefunden. Die insgesamt 380 Kilometer waren in gut 8 Stunden gefahren – inklusive kleiner Stopps, aber eben ohne die große Pause am See. Es war ein langer Tag, aber schöner Tag. Morgen geht es mit der finalen Etappe nach Hause. Das Motorrad ist dreckig, die Reifen haben ordentlich Profil gelassen, und ich freue mich auf die Familie. Diese Tour war großartig, aber das Ankommen ist am Ende auch ein schönes Ziel.
Wie gehst du mit überfüllten Touristen-Hotspots um, wenn du auf Tour bist? Fährst du auch einfach weiter oder kämpfst du dich für das „Beweisfoto“ durch die Menge? Schreib mir deine Strategie in die Kommentare!




Du bist bereit für Dein nächstes Abenteuer. Hier findest Du eine Übersicht der gefahrenen Tour. Da ich die Tour für Dich aus meiner Navigation zu Goole Maps exportiere, kann es zu leichten Abweichungen kommen. Aber das eröffnet Dir neue Wege! Lade Dir die Routendatei direkt bei MyMaps als KML-Datei herunter und erlebe die atemberaubenden Straßen und Landschaften selbst! Die Nutzung der zur Verfügung gestellten Route geschieht allerdings auf eigenes Risiko.
| Start | Wien, AUT |
| Ziel | Mitterfirmansreut, GE |
| Strecke | 380 km |
| Fahrzeit | 8 h |
Owned Miles










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